Besonders
in den Regionen, für die die o.a. Bewertungsmethoden eine kritische
Wasserversorgung ausweisen, ist der knapper werdende Rohstoff Wasser
sowohl Auslöser als auch Ziel von Konflikten zwischen benachbarten
Ländern. Zu nennen sind die seit langem andauernden
Auseinandersetzungen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn
um die Nutzung des Jordanwassers1,
die rapide zunehmenden Probleme bei der Wasserversorgung der
nördlichen Bundesstaaten Indiens aus Wasserzuläufen aus dem
Himalaya und die dadurch entstehenden Interessenskonflikte Indiens
mit Pakistan, Nepal und China2
und Konflikte zwischen afrikanischen Staaten, vor allem in der
Sub-Sahara. Seit 2010 ist ein Konflikt um die Wasserversorgung
zwischen Afghanistan und Iran wasserpolitisch bedeutsam geworden.3
Zahlreich
sind auch gewaltsam ausgetragene Konflikte innerhalb von Ländern,
bei denen Interessengruppen um den Zugang zu Trinkwasser streiten
oder sich gegen Staudammbauten oder andere wasserregulierende
Projekte wehren. Die Datenbank des Pacific Institutes weist seit
2000 442 solcher Konflikte auf.4
Die
Zunahme der Auswirkungen des Klimawandels schafft neue
Konfliktherde.5
So gefährdet die Abnahme der Himalaya-Gletscher in den
Einzugsgebieten des Indus und des Brahmaputra die Landwirtschaft und
damit die Lebensmittelversorgung von 60 Millionen Menschen.
Der
weltweite Temperaturanstieg führt zu einer Verringerung des im Boden
gespeicherten Wassers. Der Wasserbedarf von Pflanzen und die
Verdunstung steigen. Um die heutige Pflanzenproduktion aufrecht zu
erhalten, muss in Zukunft mehr Wasser aufgewendet werden oder das
Wassermanagement erheblich verbessert werden.
Die
Verfügbarkeit von Trinkwasserressourcen ist weltweit eines der
kritischsten Zukunftsprobleme und bedarf effizienter und politisch
sorgfältig abgestimmter Absprachen und Verträge zwischen den
Nationen. Die Vereinten Nationen haben 2010 das Recht auf den Zugang
zu Trinkwasser und zu Abwassersystemen als Menschenrecht anerkannt.
Die Umsetzung dieses Rechts ist Ziel 6 der Nachhaltigkeitsziele der
UN und Bestandteil ihrer Agenda 2030.678
Die
Frage, ob die Wasserversorgung der Bevölkerung und die
Verwirklichung des o.a. Grundrechts privatwirtschaftlich geschehen
soll oder ob Wasser ein öffentliches Gut ist und deshalb als
Allmendegut (ökonomisch begrenztes, aber unverzichtbares Gut für
die Allgemeinheit) der Bevölkerung zugänglich gemacht werden soll,
wird weltweit, aber auch in der EU, sehr unterschiedlich beantwortet.
9
Trinkbares
Wasser aus Quellen, Flüssen, Seen und Gletschern wird international
als „blue water“ bezeichnet und damit unterschieden von im Boden
befindlichen Wasser (green water) und verschmutztem Wasser ohne
Fäkalienanteile (grey water).10
Bereits
seit 500 Jahren wird Trinkwasser mit einem besonderen Reinheits- und
Mineralisierungsgrad als „Mineralwasser“ oder „Tafelwasser“
gewonnen, abgefüllt und verkauft.11
Die rechtliche Grundlage von Mineralwasser ist in europäischen
Ländern streng geregelt (in Deutschland z.B. durch die Min/TafelWV
als Umsetzung der EU-Direktive 80/777).12
Mineralwasserproduzenten
und die Lebensmittelkonzerne, zu denen sie gehören, sichern sich den
Zugang zu den spezifischen Wasserressourcen für ihre Produkte durch
Nutzungs- und Entnahmeverträge bzw. durch Kauf oder Pacht der
Landflächen, unter denen die Quellen oder natürlichen Reservoire
liegen, aus denen das Mineralwasser gewonnen wird.
Ein
Nutzungskonflikt zwischen der privatwirtschaftlichen Nutzung der
Wasserressourcen und der öffentlichen Nutzung des Allmendeguts
Wasser kann dann eintreten, wenn eine der beiden Interessenslager
einen Nachteil aus den Vertrags- oder Besitzverhältnissen erleidet.
Solche Nutzungskonflikte zwischen öffentlichen und
privatwirtschaftlichen Interessen treten nicht selten auf. 13
1
s. Asser 2010 und Allen 2002
2
https://www.domradio.de/nachrichten/2012-07-08/wassermangel-der-indischen-hauptstadt-delhi
und
https://www.tagesschau.de/ausland/himalaya-eis-klimawandel-101.html
https://www.tagesschau.de/ausland/himalaya-eis-klimawandel-101.html
5
Gerten 2018: S. 106 f.
6
Dobner 2010: S. 354
9zur
EU-Wasserpolitik:
http://ec.europa.eu/environment/water/water-framework/info/intro_en.htm
11https://www.br.de/radio/bayern-plus/historiker-michael-zeheter-die-geschichte-von-mineralwasser-100.html
und
https://www.uni-trier.de/index.php?id=54824
https://www.uni-trier.de/index.php?id=54824
13vgl.
Mehta et. al. 2012, S. 202
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