Süßwasserverteilung global


Die weltweiten Wasservorräte sind unterschiedlich verteilt, unterschiedlich zugänglich und unterschiedlich erneuerbar. Entscheidend für die oben beschriebene Problematik ist die Messgröße „erneuerbare Wasservorräte pro Einwohner und pro Jahr“ In Kubikmetern. Mit ihr lassen sich die großen Unterschiede in der globalen Süßwasserverteilung und die Wirkungen auf die Bevölkerung unterschiedlich versorgter Staaten am besten beschreiben. Faktoren wie die Bevölkerungsdichte und die Erreichbarkeit der Wasservorräte (Infrastruktur) müssen aber bei Vergleichen mit betrachtet werden.1

So stehen in Ländern wie Kenia (718 m³), Burkina Faso (750 m³) und Südafrika (1013 m³) extrem wenig erneuerbare Wasservorräte pro Kopf der Bevölkerung zur Verfügung. Für große, bevölkerungsreiche asiatische Ländern wie China (2051 m³) und Indien (1519 m³) wird die Situation von der FAO als „angestrengt“ (stressed) bezeichnet.

Hingegen sind klimatisch begünstigte Länder wie Brasilien (41505 m³), Russland (31590 m³) und Kanada (83691 m³) sehr gut mit Süßwasser versorgt. Bei einem Vergleich dieser Zahlen müssen jedoch die Bevölkerungsdichte und die Erreichbarkeit und Verfügbarmachung des Wassers im jeweiligen Land mit ins Kalkül genommen werden. So weisen die Länder der EU „nur“ Werte zwischen 2000 m³ und 12000 m³ auf. Deutschland liegt dabei im unteren Bereich. Aufgrund der hervorragenden Infrastruktur der Wasserversorgung können sich Haushalte, Landwirtschaft und Industrie jedoch sehr viel leichter mit Wasser versorgen als in Ländern mit unzureichender Infrastruktur. Europa gehört allerdings zu der Kategorie der FAO, die temporäre Wasserknappheiten aufweisen und nicht – wie man erwarten könnte – zu den Weltregionen mit Wasserüberfluss.

Ein anderer Indikator für die Bewertung der unterschiedlichen Wasserressourcen ist der Prozentsatz des erneuerbaren Wassers, das für Trinkwasser, Landwirtschaft und Industrie entzogen wird (der sog. MDG-Faktor). Auch hier gibt es Länder, beiden denen die Entnahme extrem gering ist (z.B. Kanada und Brasilien unter 1%). Hochindustrialierte und landwirtschaftlich intensiv genutzte Länder weisen erheblich höhere Entnahmewerte auf (z.B. USA 15,4 %; Frankreich 14,79 %; Deutschland 20,97 %). Länder unter ungünstigen klimatischen und demographischen Bedingungen, z.B. südlich des Mittelmeers, entnehmen hingegen einen Großteil des erneuerbaren Wassers (z.B. Algerien fast 49%; Ägypten 98%; Israel 79,12 %).2

Die o.a. Mess- und Bewertungsmethoden der UN werden jedoch von anderen Autoren (z.B. Gerten 2018: 168 ff., )3 als zu einfach und unzureichend kritisiert. In einer neueren wissenschaftlichen Bewertungsmethode, dem „Peak-Water-Konzept“, werden die anthropogenen (durch Menschen verursachten) Schädigungen des Ökosystems (z.B. Verdrängung von Feuchtgebieten, Rückbau wasserführender Systeme durch Stauseen, Qualitätsminderung des Wassers usw.) einbezogen. Nach dieser Betrachtungsweise befindet sich die Erde bereits in einer globalen Wasserkrise, weil der Verbrauch des Ressourcenanteils des zugänglichen Trinkwassers (blue water) bereits eine Spitze erreicht hat, nach der es zu einer ununmkehrbaren Ressourcenschrumpfung kommen wird, die durch das zufließende trinkbare Wasser (aus Regen, Gletschern, Quellen usw.) nicht mehr kompensiert werden kann.4

3 Gerten 2018: 168 ff.

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