Allein
eine einzige Ausgabe der Fachzeitschrift „Water Alternatives“ (Water Alternatives, 5,2 2012,
Titelübersicht und Abstracts) zum
Thema „Water Grabbing“ zeigt, dass dieses Phänomen weltweit
vorkommt. Die Autoren beschreiben „Water Grabbing“-Fälle und
ihre Auslöser in
- Peru: durch Ausbeutung von Bodenschätzen
- Türkei: durch ein Wasserkraftwerkprojekt
- Thailand: Das Mekondelta wird durch ein laotisches Wasserkraftwerk bedroht
- Indien: Im Bundesstaat Maharastra wird „Water Grabbing“ legalisiert
- Kolumbien: Bedrohung indigener Bevölkerungsgruppen durch „Water Grabbing“
- Israel/Palestina: Israelische Wasserpolitik bedroht palästinensische Kleinbauern
und mit
zahlreichen Fallbeispielen aus den Sub-Sahara-Staaten. Solche
Fallstudien und globale Übersichten zeigen, dass das Problem des
„Water Grabbing“ oft an den großen Flussläufen vorkommt und
bewährte und nachhaltige Bewässerungsformen negativ beeinflusst.
Der Nil und der Niger seien hier als herausragende Beispiele genannt (s. Hertzog,
Thomas et. al, Ostrich-like
strategies in Sahelian sands? Land and water grabbing in the Office
du Niger, Mali, in:
Water Alternatives 2012, 5,2, S. 304 – 321; zu finden auf http://www.water-alternatives.org/index.php/volume5/v5issue2/171-a5-2-7/file)
(Foto: Hugh Fiske)
Neben
den oben bereits angesprochenen internationalen Beispielen für
„Water Grabbing“ in Afrika und Asien durch internationale
Investoren und nationale Projekte findet sich mindestens ein dem französischen Vittel (vgl. Post zu Vittel in diesem Blog) ähnliches Beispiel in Stanwood, Mich., USA, wo Nestlé 130 Mio m³
Trinkwasser pro Jahr abpumpt und sich nun (Stand Frühjahr 2019) um eine Erlaubnis für 60%
mehr Fördermenge bemüht. Dieser Fall ist in einem Aspekt noch
pikanter als Vittel, denn Nestlé bezahlt in Stanwood lediglich eine
jährliche Gebühr von US$ 200 (!) für die Entnahme; d.h. die
Kommune profitiert überhaupt nicht von dieser Wasserentnahme.1
Unter „Water Grabbing“ versteht die Fachwelt auch die Entnahme
von Wasser, das eigentlich für die Landwirtschaft gebraucht wird,
zur Durchführung industrieller Prozesse. Besonders problematisch ist
dies bei Bergbau- und Frackingverfahren in der Region der
Wasserentnahme. Fracking, also die hydraulische Schiefergasgewinnung
verbraucht nicht nur viel Wasser, sondern kann das Grundwasser
ungenießbar machen.23
In Regionen intensiver Landwirtschaft ist nicht nur der
Wasserverbrauch, sondern auch die Gülleausbringung auf den Feldern
ein Problem, das in den kommenden Jahrzehnten zu immer aufwändigeren
Infrastrukturmaßnahmen (zur Reduzierung des Nitratgehaltes im
Grundwasser) führen wird.4
Im Unterschied zur großflächigen Landaneignung zur Sicherung
Wasserflächen in Afrika und Asien handelt es sich bei der
Überdüngung um ein schleichendes „Water Grabbing“ in Form einer
Qualitätsminderung des Trinkwassers. Im Endeffekt geschieht aber das
gleiche wie in Afrika oder Vittel: Entzug des Trinkwassers zu Lasten
der Wohnbevölkerung der spezifischen Regionen. Trinkwasser kann also
auf verschiedene Art und Weise Objekt des „Water Grabbing“
werden.
1vgl.
Friess, Steve: Where Nestlé Guzzles Water, Michigan Neighbors Take
Exception. 2017.
2vgl.
Dell'Angelo, Jampel; Rulli, Maria Christina; D'Odorico, Paolo (2018)
3vgl.
Vaidyanathan, Gayathri: Francking Can Contaminate Drinking Water.
2016.
4vgl.
Burger, Kathrin: In Grund und Boden. 2015.

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