Äthiopien ist wahrscheinlich die am dynamischsten wachsende Volkswirtschaft in Afrika. Während sich der junge Ministerpräsident des Landes, Abiy Ahmed, seines Friedensnobelpreises und internationaler Sympathie erfreuen darf, schafft es ein ehrgeiziges Staudammprojekt, der Ethiopia Renaissance Dam, die gesamte Wasserversorgung der Nil-Anrainerstaaten auf den Kopf zu stellen und Anlass für den nächsten internationalen bewaffneten Konflikt zu werden. In zwei Abkommen von 1929 und 1959 hatten die Anrainerstaaten des Nils die Wasserentnahme entsprechend den Bevölkerungsmengen und den demographischen Prognosen geregelt. Am Niltropf hängen 10 Nationen: Burundi, DRC (Congo), Ägypten, Äthiopien, Kenia, Ruanda, Südsudan, Sudan, Zansania und Uganda. 84 Milliarden Kubikmeter Nilwasser stehen diesen Ländern jährlich zur Verfügung. Davon dürfen - dem Abkommen von 1959 folgende - Ägypten 55,5 Mrd. und Sudan 18,5 Mrd. Kubikmeter entnehmen. Das Abkommen räumt Ägypten zudem ein Vetorecht gegen wasserwirtschaftliche Baumaßnahmen in den Anrainerländern zu. Die demographischen Prognosen von 1959 wurden indes längst angesichts einer Wirklichkeit obsolet, die die Bevölkerungszahlen in Ägypten und Sudan inzwischen geringer ausweist als die der anderen Anrainerstaaten. Es wurde im Laufe der vergangenen Jahrzehnte immer klarer, dass Äthiopien mit den Bedingungen des Abkommens von 1959 nicht würde leben können. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass Äthiopien in 2011 ein 5 Mrd $-Staudammprojekt aufsetzte, dass mehr als 6000 Megawattstunden für die Versorgung Äthipiens erzeugen und 67 Mrd. Kubikmeter Nilwasser zurückhalten soll. Während dieser Ethiopia Renaissance Dam segensreich für die äthiopische Wirtschaft sein wird, dreht das giagntische Projekt Ägypten regelrecht den Hahn ab. Ägyptische Analysten sehen deshalb einen bewaffneten Konflikt voraus, bei dem das ägyptische Militär nebenbei dem ägyptischen Volk seine Fürsorglichkeit unter Beweis und damit regimestabilisierend wirken könnte. Sowohl die USA als auch Russland bemühen sich nun um Mediation zwischen den streitenden Parteien.
(Quelle: Imad K. Harb, River of the Damned, Foreign Policy, 15.11.19)
Die wirtschaftliche Dynamik Äthiopiens schadet aber auch indigenen Stämmen, wie den Karo (s. das vielgeteilte Foto von Alfred Weidinger), indem durch Dammprojekte im Landesinnern Wasser für die Baumwollproduktion bereitgestellt wird und die herkömmlichen Landwirtschaftsmethoden der indigenen Stämme durch Wassermangel ruiniert werden.
Äthiopien liefert anschauliche und beklagenswerte Beispiele für water-grabbing im transnationalen Maßstab und in internen Interessenskonflikten, in denen sich der Staat ganz klar auf die Seite des ungehemmten Wachstums stellt.
(Quelle: Imad K. Harb, River of the Damned, Foreign Policy, 15.11.19)
Die wirtschaftliche Dynamik Äthiopiens schadet aber auch indigenen Stämmen, wie den Karo (s. das vielgeteilte Foto von Alfred Weidinger), indem durch Dammprojekte im Landesinnern Wasser für die Baumwollproduktion bereitgestellt wird und die herkömmlichen Landwirtschaftsmethoden der indigenen Stämme durch Wassermangel ruiniert werden.
Äthiopien liefert anschauliche und beklagenswerte Beispiele für water-grabbing im transnationalen Maßstab und in internen Interessenskonflikten, in denen sich der Staat ganz klar auf die Seite des ungehemmten Wachstums stellt.

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